Historischer Abriss

 

Die Besiedlung des Ortes Warchau ist auch vor der ersten urkundlichen Erwähnungen als sicher anzunehmen. Grab- und Urnenfunde am sogenannten „Rosenberg“ zu Beginn des 20.Jh. durch Dr. Stimming , die in die Bronzezeit fallen, belegen das. Eine Erstbesiedlung erfolgte durch slawische Sippen und Stämme, insbesondere die Wenden.

Im Zuge der Ostexpansion der deutschen Kaiser und speziell unter Otto I. ( 936-973 ), wurde auch unser Gebiet erobert und dem Erzbistum Magdeburg unterstellt

Im 12. Jahrhundert erfolgte die Kolonisation der Jerichower Lande, wozu auch unser Ort zählte, durch die Ansiedlung flämischer Siedler. Daher kommt wohl auch der Name Fläming. In Warchau lebten offensichtlich noch zahlreiche Slawen, denn der Ortsname blieb erhalten, wofür es aber keine konkreten Nachweise gibt.

Die Bezeichnung des Ortes könnte verschiedene Varianten zur Grundlage haben, wobei die Bezeichnung des Baches „Bäke“, der nach Ansicht des früheren  Direktors des Genthiner Heimatmuseums Dr. Bathe früher „Warchova“ oder „Warch“ ( Höhe, Gipfel ) hieß, als am wahrscheinlichsten anzunehmen ist.

Die flämischen Siedler waren durch die Magdeburger Erzbischöfe verpflichtet worden, eine Kirche zu errichten. Unsere Feldsteinkirche wurde im spätromanischen Stil ( Ende 10. – 13. Jh. ) neben dem eigentlichen slawischen Ortskern errichtet. Daraus kann man folgern, dass um 1200 der Ort durch Flamen erweitert worden ist.

Die erste Erwähnung des Ortes Warchau ( jedoch noch nicht 100%ig nachgewiesen) erfolgte in der „Wüstungsurkunde der Kreise Jerichow I und II“ als „Warchawe“, ein Dorf und Rittergut, im Jahre 1365.

Weitere Nennungen gibt es in alten Lehnsbüchern, aber leider ohne konkrete Einzeldaten für jede Eintragung. Diese stammen aus der Zeit 1368 bis 1376 bzw.1381.

Nach 1371 findet sich folgende Eintragung: Frytze de Platte habet in villa Warchawe ix stücke geldez que habet vxor sua“ ( d.h. Frytze de Platte hatte im Landgut Warchau 9 Stücke Geld zugleich für seine Gattin ).

1376 ist bis jetzt als korrekteste älteste Erwähnung sicher, wobei noch nicht alle Urkunden des Erzbistums Magdeburg aus der 1. Hälfte des 14. Jh. aufgearbeitet worden sind.

Welche Familien haben nun großen Einfluss auf das Leben in historischer Zeit in unserem Ort gehabt ? Namentlich genannt werden um 1380 Fritze de Plote ( slawischer Abstammung ), Hans Borchard sowie Nickel Fürer und Bruder Hans( Flamen? ) als Stiftsvasallen von Plaue(?).

1417 taucht erstmals der Name „Schild“ in einer Schadensauflistung auf ( „Heise Schild, wonaftig czu Warczow “ ). Es wird angenommen, dass Plote ( oder auch Plotho ) der Besitzer, Fürer und Schild ritterliche Vasallen waren. Weiterhin muss angenommen werden, dass ein Schild im Zuge der Ostexpansion in unser Gebiet gekommen ist und hier sesshaft wurde.

Später, ab dem 17.Jahrhundert, spielten die Familien von Schildt und von Förder in Warchau die entscheidende Rolle, denn sie waren Besitzer der 2 Rittergüter in Warchau bzw. waren mit dem halben Ort Gollwitz belehnt. Der andere Teil gehörte denen von Werder ( Rogäsen ).

Warchau und Gollwitz waren laut Deichbauverordnung vom 11.06.1655 erstaunlicherweise zur Deichunterhaltung verpflichtet ( Gollwitz für 8 Ruten, Warchau für 3,5 Ruten ) und gehörten zu einer Deichgenossenschaft mit Kade, Karow und Rogäsen. Der Grund dafür dürfte die Lage der Warchau umgebenden Wiesen in einem Urstromtal bis hin zur Elbe sein. Vor Errichtung der Elbdeiche kam es immer wieder zu großflächigen Überschwemmungen, von denen zwar nicht Warchau unmittelbar, weil auf einer Anhöhe gelegen, aber doch die Ländereien bedroht waren.

1785 war Warchau ein adeliges Dorf mit 2 Rittergütern, einer Wasser- und einer Windmühle. Besitzer war der Herr von Schildt. Die Erfassung des Ortes ergab folgende interessante Eckdaten :

- es gab 22 Feuerstellen ( Familien ), worunter 7 Ackerleute und 4 Kossaten waren

- die Gemeinde besaß 510 Morgen Ackerland, 15 Morgen Garten, 90 Morgen Wiese und 25 Morgen Nachtweide

- die adligen Güter bestanden aus 600 Morgen Ackerland, 150 Morgen Wiesenwachs, 50           Morgen Eichen-, Kienen- und Elsenholzung, ein Gut 2/3 das andere 1/3

- die Kirche gehörte zur loburgischen geistlichen Inspektion

- 1782 war die Seelenzahl 122 ( Gollwitz 119 ), in den letzten 10 Jahren wurden 48 geboren und    47 sind gestorben

Krieg bestimmte die Zeit zwischen 1806 und 1813. Auch einige Warchauer nahmen an den Kämpfen gegen Napoleon teil. Während die älteren Gebrüder von Schildt in der Schlacht um Lützen verwundet wurden, bezahlte deren jüngerer Bruder Wilhelm Carl Ludwig Ferdinand von Schildt seinen Einsatz in der Schlacht bei Löwenberg mit dem Leben. Das gleiche Schicksal ereilte den Freiwilligen Andreas Busse. Eine Tafel in der Dorfkirche erinnert daran.

Um 1820 haben sich die Besitzverhältnisse in Warchau geändert. Jetzt wurde die Familie    von Britzke ( Rosenthal ) Eigentümer der 2 Rittergüter und in Gollwitz kamen die Grafen von Wartensleben auf Carow hinzu

Bis zur Seperation (Flurbereinigung), in Warchau ab 1830, wurde auch in Preußen nach der 3-Felderwirtschaft gewirtschaftet. Die Fruchtfolge war: Blattfrucht, Getreide, Brache.          Mit dieser extensiven Wirtschaftsweise wurde es problematisch, die sich ständig vermehrende Bevölkerung zu ernähren. Es war daher ein Bestreben der Regierung, die Landwirtschaft zu intensivieren. Dazu war es erforderlich, dass die 3-Felderwirtschaft aufgehoben, Flurstücke zusammengelegt und ein neues Wegenetz geschaffen werden musste. Dieses sollte durch die Seperation bewirkt werden. König Wilhelm III. verordnete daher, dass in den Gemeinden, in denen mehr als 3 Bürger die Sepeartion forderten, diese auch durchzuführen sei. Dazu mussten in den  Gemeinden die Felder vermessen, ihr Ertragswert festgestellt, neue Feldpläne abgesteckt, sowie neue Straßen, Wege und Gräben angelegt werden. Da dadurch die Gemeindeweiden wegfielen, veränderten sich die Anbauverhältnisse und die Art der Viehhaltung und es kam zu einer völligen Umgestaltung der Landwirtschaft.  In den Beschlussbüchern der Gemeinde Warchau vom 25.06.1893 wurde ein sog. Rezeß aufgestellt, in dem die strittigen Verhältnisse geklärt wurden und für jeden einzelnen Landbesitzer bzw. -pächter die konkrete Aufteilung der Flächen ausgewiesen wurde. Die  Grenzen der Ländereien wurde durch 4x4 Fuß hohe Sandhügel gekennzeichnet.

Für 1842 ist eine Schule mit Küsterei nachgewiesen, wobei schon vorher unterrichtet wurde. Der Ort hatte 271 evangelische Einwohner.

Die Wohnhäuser waren bis zum Beginn des 19. Jh. meist als Fachwerkgebäude mit Lehm als Baumaterial gebaut worden. Sie waren strohgedeckt, hatten kleine Fenster und kleine Räume. Die Straßen waren relativ breit, weil sie auch als Viehtrift genutzt wurden. Die Backöfen befanden sich außerhalb des Ortes wegen der hohen Brandgefahr.

Die meisten Menschen konnten nicht lesen und schreiben und arbeiteten als Gutsarbeiter.

Ein Sommerarbeitstag für Arbeiter mit Ochsen- oder Pferdegespann um 1850 gestaltete sich so:

3.00 bis 5.00 Uhr Tiere füttern und putzen

5.00 Uhr anspannen, Feldarbeit oder Fuhrdienste

8.00 bis 8.30 Uhr Frühstückspause

11.30 bis 13.30 Uhr Mittagspause mit Fütterung und Tränkung der Tiere

13.30 bis 16.00 Uhr Nachmittagsarbeitszeit

16.00 bis 16.30 Uhr Vesper

Bis 19.00 Uhr Arbeitszeit. Danach, meist bis 21.00 Uhr, mussten die Tiere versorgt und Reparaturen erledigt werden.

Für Männer ohne Gespanne galt die gleiche Arbeitszeit, Mittagspause bis 13.00 Uhr.

Je Hauseingang wohnten meist zwei Familien, die 2 Räume ihr Eigen nannten. Einer wurde als Lager, der andere als Wohn- und Schlafraum genutzt. Die Küche war ein eigenständiger Raum mit einem offenem Herd. Lehmfußböden waren typisch, später aus Stein und dann auch Dielung. Zum Haus gehörte ein kleiner Stall für Schwein und Ziege. Das Wasser wurde aus einem öffentlichen Ziehbrunnen geschöpft.

Im Krieg gegen Frankreich von 1870/71 fiel der Warchauer Carl Witte in der Schlacht bei Beaumont. An die Teilnehmer erinnert eine Gedenktafel in der Kirche.

Die Gründung des Deutschen Reiches im Jahre 1871 hat sicher auch Warchau zu einem gewissen wirtschaftlichen Aufschwung verholfen. Zumindest konnte die Familie von Britzke das Geld für einen Umbau des Schlosses aufbringen. Wenn dafür sicher auch die Heirat Ferdinand Bernhard von Britzkes mit der adligen Fabrikantentochter Johanna Lucie von Pieschel aus Altenplathow im Jahre 1871 keine unwesentliche Rolle gespielt haben dürfte.

Um die Arbeit der Gemeinde- und Gutsvorsteher besser zu regeln, wurde in Deutschland am 03. Juli 1891 eine neue Landgemeindeordnung eingeführt. Hier wurde zahlreiche kommunale Regelungen getroffen. Wer erhält das Gemeinderecht? Wer das Stimmrecht? Wer bildet den Gemeindevorstand? Wer muss wieviel Steuern zahlen? u.v.a.m. . Für Warchau war das insofern interessant, da es einen Gemeindebezirk (tagte erstmals am 21.05.1892) und 2 Gutsbezirke (Warchau und Rosenthal) gab. In der Praxis bedeutete das, dass der Gutsbesitzer für seine Arbeiter nicht nur arbeitsmäßig, sondrn auch auf kommunaler Ebene zuständig war. Der Gutsbezirk wurde patriarchalisch geleitet, ohne Gemeindevertreter und Schöffen. Auch die polizeilichen Angelegenheiten regelte der Gutsherr. Die Güter Warchau und Rosenthal gehörten  Lucie von Britzke , die jedoch seit 1883 verwitwet ist und so laut       § 124 der Landgemeindeordnung nicht Gutsvorsteherin sein konnte. Als Stellvertreter fungierte häufig der Graf von Wartensleben aus Karow und später der Pächter des Gutes. 1927 wurden die Gutsbezirke aufgelöst, Rosenthal fiel trotz Protestes an Großwusterwitz und Warchau ging dadurch zahlreicher Steuern verlustig.

Im Jahre 1898 begannen die Vorbereitungen für den Bau einer Eisenbahnstrecke zwischen Wusterwitz (an der Strecke Berlin-Magdeburg gelegen) und Ziesar. Schon am 01. Oktober 1901 wurde diese Strecke eingeweiht, die eine wichtige Voraussetzung für einen wirtschaftlichen Aufschwung der gesamten Region darstellte.

Erstmals wurde im Jahre 1908 über den Anschluss des Ortes an das Licht- und Kraftstromnetz gesprochen. Durch den 1. Weltkrieg wurde dieses Vorhaben auf Eis gelegt und erst im Jahr 1920 kam Drehstrom in unseren Ort. Erst 1950 gab es eine Straßenbeleuchtung , die schrittweise erweitert wurde. 1991 wurden die Freileitungen im Ort  demontiert und durch Erdkabel ersetzt, was mit erheblichen Tiefbauarbeiten verbunden war.

Als am 01. August 1914 die Mobilmachung zum 1. Weltkrieg erfolgte, wurden zunächst 15 Männer einberufen. Wieviele insgesamt am Krieg teilnahmen, kann nicht konkret ausgesagt werden. Unter den zahlreichen Toten dieses Krieges befanden sich am Ende 9 Warchauer, die nach Aussage der Gedenktafel “Den Heldentod starben für König und Vaterland: ...”.            Sehr viel ist aus der Zeit des Krieges nicht überliefert. In den Aufzeichnungen des Pastors Hoffmann wird aber u.a. berichtet, dass bereits im Herbst 1914 umfangreiche Sammlungen und Spenden für die Soldaten durchgeführt wurden. 1917 wurden nach einer Dürre die Lebensmittel knapper, was einen Anstieg der Preise und Hamsterkäufe zur Folge hatte. Im März 1918 wurde der Kaisergeburtstag noch mit starker Beteiligung der Bevölkerung gefeiert, aber im Oktober war eine große Kriegsmüdigkeit unübersehbar. Nach Kriegsende haben die Gefangenen Warchau bis zum 17.12.1918 verlassen und die heimgekehrten Soldaten wurden am 2. Weihnachtstag im Gottesdienst begrüßt. Nach Abschluss des Versailler Vertrages fand in der Kirche ein Trauergottesdienst statt. 1919 nehmen auf Grund der Brennstoffknappheit Holzdiebstähle zu und Kriegsgefangene kehren heim. Am 16.03.1920 muss der Gutspächter Hellmann auf militärischen Druck hin Waffen abgeben, die zum Schutz gegen räuberisches Gesindel angeschafft worden waren. Lebensmittelknappheit führte zu Diebstählen und Einbrüchen, so auch am 21./22.05.1920 als die Pfarre heimgesucht wurde.

Die Abdankung des Kaisers und die Zeit der Novemberrevolution haben auch in Warchau zur Wahl eines Bauern- und eines Arbeiterrates am 17.02.1919

Die 20er Jahre verliefen in Warchau recht beschaulich. In den Aufzeichnungen von Pfarrer Hoffmann wird immer wieder auf Vorträge, Hochzeiten,Vereinsabende in den Gaststätten, Fahrten vom Vaterländischen Frauenverein und kleinere Ereignisse verwiesen. Natürlich blieb auch unser Ort nicht von den politischen Tendenzen, die sich in Deutschland breit machten verschont. Das zeigt sich deutlich an der Entwicklung des Wahlverhaltens der Einwohner an einigen ausgewählten Zahlen.

Partei/Termin

20.05.1928

14.09.1930

31.06.1932

SPD

63

41

44

DNVP

23

11

20

DVP

17

3

9

DDP

12

keine Angabe

keine Angabe

NSDAP

keine Angabe

24

47

KPD

7

5

22

Deutsches Landvolk

keine Angabe

20

2

 

 

 

 

 

 

 

1931 wird ein neues Schulgebäude errichtet, in dem am 05.01.1932 erstmals unterrichtet wird. Die offizielle Einweihung fand am 06.04.1932 um 14 Uhr im Beisein des Landrates Dr. Meyer statt.

Pfarrer Hoffmann hat auch notiert, dass am 26.06.1933 zum ersten Mal das Fest der Sonnenwende von der Gemeinde in seltener Einstimmigkeit und Anteilnahme durch Abbrennen eines Holzstoßes, Singes des Deutschlandliedes und Hochrufen auf Reichkanzler und Reichspräsidenten gefeiert wurde.

1934 wird eine freiwillige Feuerwehr gegründet, die mit einer Motorspritze, Uniformen, Helmen etc. ausgestattet wurde.

Über die Zeit des Nationalsozialismus gibt es naturgemäß wenig Aufzeichnungen. Vieles wurde vernichtet, vergessen, verdrängt.

Der 2. Weltkrieg forderte in Warchau 20 Opfer, die gefallen, vermisst und nicht mehr in die Heimat zurückgekehrt sind. Bisher konnte man sich noch auf keine Form der Erinnerung und Mahnung verständigen.

Am 05. Mai 1945 zogen sowjetische Truppen in das mit weißen Fahnen(Betttüchern) beflaggte Warchau ein. Es wurde eine Kommandantur eingerichtet und angordnet, dass alle Waffen sofort abzuliefern sind. Sämtliche Bewohner wurden einem Verhör unterzogen und wieder entlassen. Mehrtägige Verhöre mussten der Bürgermeister Heuke und Gutspächter Hellmann über sich ergehen lassen. Sie wurden anschließend abgesetzt. Alle auf dem Gut beschäftigten Kriegsgefangenen und “Schnitter” (polnische Saisonkräfte) konnten nach Hause kehren. Massive Übergriffe auf die Warchauer sind nicht bekannt geworden.

Fräulein Frieda von Britzke musste das Schloss räumen und Warchau verlassen.

Mit der Verordnung über die Durchführung einer demokratischen Bodenreform vom 03.09.1945 durch die Provinzialverwaltung Sachsen-Anhalt begann ein grundlegender Wandel der Eigentumsverhältnisse auf dem Lande. Unter der Losung “Junkerland in Bauernhand” wurde die Familie von Britzke entschädigungslos enteignet und das Land an die landarmen Bauern und an Umsiedler aus den Ostgebieten verteilt. Dazu wurden Gemeindekommissionen gebildet, die die Aufteilung der Äcker, Wiesen und Wälder vornahmen. Jeder erhielt eine Urkunde der Übertragung und war verpflichtet, Abgaben an Getreide, Kartoffeln, Fleisch, Milch, Eiern usw. an den staatlichen Aufkauf gegen Bezahlung zu leisten.

Die Selbstverwaltung lief nur schwer an. Der von der SMAD eingesetzte Bürgermeister war wohl mit seinem Amt überfordert und wurde im November 1945 von dem Wusterwitzer Fritz Weis abgelöst, der aber nach Warchau zog.

Am 24.03.1946 wurde im Kreis Jerichow II die SED gegründet.

Ab 28.10.1946 wurde nach einer Wahl der Gemeindevertreter eine bessere Struktur der Verwaltung verzeichnet.

Im Februar 1947 wird die Ortsbodenkommission neu gewählt und erhält die Aufgabe alle Unstimmigkeiten in der Landaufteilung richtig zu stellen.

Im September wurde auf der Grundlage des Befehls Nr. 204 der SMAD mit dem Bau von Wohn- und Wirtschaftsgebäuden für die Neubauern begonnen. In Warchau sollten für 9 Familien Neubauten errichtet und für 12 weitere An- und Umbauten erfolgen. Solch ein Neubauernhaus kostete je nach Größe zwischen 3000 und 5000 Mark.

Aus den Protokollen der Gemeindevertretung geht kein besonderer Hinweis zur Gründung der DDR am 07.10.1949 hervor. Auffallend ab 1950 ist, dass sich sehr viele Warchauer für die Gemeinde in der Gemeindevertretung engagieren. So gab es 13 verschiedene Ausschüsse und Kommissionen innerhalb dieser Vertretung und 35 verschiedene Einwohner arbeiteten mit.

Im Mai 1950 wurde über die Zusammenlegung von Warchau und Gollwitz auf Antrag des Kreises Jerichow II verhandelt. Dieses Vorhaben wurde einstimmig abgelehnt. 1952 erfolgte dann die Zusammenlegung per Gesetz.

Der nach dem Krieg angeordneten abgabepflicht von landwirtschaftlichen Produkten konnten vile Bauern nicht in dem geforderten Maße nachkommen. Eine mir vorliegende Gesamtübersicht der Sollabgabe vom 04.11.1952 für Warchau bestätigt das.

Auf staatlichen Druck, aber auch aus anderen insbesondere wirtschaftlichen Gründen wurde am 05.09.1952 in Warchau eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft (LPG) vom Typ III gegründet. Es haben 8 Bauern insgesamt 55 Hektar Land, Wiesen, Wälder, Vieh und soweit vorhanden Maschinen eingebracht, um gemeinsam zu wirtschaften. Doch schon am 30.11.1954 schloss man sich der LPG “Clara Zetkin” in Wusterwitz an, da offensichtlich wurde, dass man allein nicht existieren konnte.

Am 16.03.1960 erfolgte die Gründung der LPG “Hoffnung”, diese war nach dem Typ I organisiert, d.h. die Mitglieder bewirtschafteten nur die land- und forstwirtschaftlichen Nutzflächen gemeinsam, das Vieh wurde individuell betreut. Insgesamt 10 Bauern mit 60 Hektar Land schlossen sich zusammen. Diese LPG existierte bis zum 01.01.1968, dann wurde sie ebenfalls von der LPG in Wusterwitz übernommen.

1955 wurden Tiefbrunnen zur Absicherung des Löschwasservorrates angelegt, die aber nicht sehr ergiebig waren.

1956 litt Warchau unter einer starken Rindertuberkulose.

Im Juli 1957 konstituierte sich nach der Wahl eine neue Gemeindevertretung mit einem neuen Bürgermeister. Auch die Gemeindvertreter beschäftigten sich auf ihren Sitzungen häufig mit Erfassungs- und Abgabefragen für landwirtschaftliche Produkte. aber es gelang trotzdem nicht die staatlichen Auflagen zu erfüllen. Manche Bauern kauften außerhalb z.B. Getreide zu einem Preis von 37,50 DM/50 kg, um ihr Soll zu erfüllen.

1957 wurde unter großen persönlichen Einsatz der Feuerwehrleute ein neues Gerätehaus und ein Schlauchtrockenturm gebaut. Insgesamt wurden über 1265 NAW-Stunden geleistet.

1958 wird die Lebensmittelrationierung aufgehoben.

Neben all der Arbeit und trotz vieler Entbehrungen vergaß man aber auch das Feiern nicht. Die Feierlichkeiten zum 1. Mai waren immer ein Höhepunkt. Damals stahlen sich die Dörfer noch gegenseitig den geschmückten Maibaum. Auch ein Erntedankfest  wurde mit geschmückten Wagen und einem Umzug begangen.

In Warchau gab es wohl weiterhin erhebliche Probleme bei der Erfüllung der landwirtschaftlichen Vorgaben und Pläne. So wird z.B. 1964 ein Prämiensystem für die Rübenpflege eingeführt. Ziel war es, viele Dorfbewohner saisonweise als zusätzliche Arbeitskräfte für die LPG zu gewinnen. Für die Pflege von einem Morgen Rüben wurden 100 DM gezahlt. Übernahm man mehr, gab es zusätzliche Prämien von 30 DM je Morgen. Darüber hinaus wurde für jeden Tag in der Rübenpflege 2,5 kg Weizen gegeben.

1963 wurden die ersten Bungalows für ein Kinderferienlager des VEB Förderanlagen Magdeburg erbaut. In den Folgejahren erfolgte der schrittweise Ausbau: 1968 10 Bungalows, 1971 Wirtschaftsgebäude, 1977 Sportplatz, 1981 Volleyballplatz,  1983 Minigolfanlage.       1990 wird das Ferienlager geschlossen und das Grundstück von der Treuhand verkauft. Im Dorf ist nicht bekannt an wen. Seit dieser Zeit verfallen die Gebäude und Anlagen.

Ein besonderes Problem stellte die Straße von Wusterwitz nach Warchau dar. Sie war unbefestigt und verwandelte sich bei Regen in einen scheinbar bodenlosen Sumpf. Ständig mussten die Bewohner selbst Hand anlegen, um sie befahrbar zu erhalten. Zunächst wurde Schlacke angefahren, die aber nicht die gewünschten Erfolge brachte. Erst 1968/69 kam es zu einem fachgerechten Ausbau der Straße.

1972 schlossen sich die LPGen zu sogenannten Kooperationsverbänden zusammen. Warchau bildete einen solchen gemeinsam mit Kirchmöser, Wusterwitz und Gollwitz in der Tierproduktion. In der Pflanzenproduktion kommen noch Zitz, Rogäsen, Viesen und Mahlenzien hinzu. Damit entstanden flächenmäßig noch größere Einheiten, die die Aufgabe erhielten effektiver zu arbeiten und mehr zu produzieren.

In den Jahren 1975/76 bauten sich die Warchauer eine neue Gaststätte in Eigenleistung. Insgesamt halfen 105 Einwohner in über 5000 freiwilligen Stunden. Demzufolge trifft der Name “MACH MIT” den Nagel auf den Kopf.

1980 wurden auch die Gehwege mit Betonplatten ausgebaut. Die Platten stellte die Gemeinde, die Verlegung nahmen die Anwohner vor ihrem Grundstück selbst vor. 1985 wurden entlang der Dorfstraße Hecken gepflanzt, die die Dorfansicht weiter verschönerten.

1987 wurde eine neue Konsumverkaufsstelle ebenfalls mit sehr viel Eigeninitiative erbaut, die aber schon 1991 wieder geschlossen wurde.

In zahlreichen Presseberichten zwischen 1960 und 1989 ging es in erster Linie um die Erfüllung der staatlichen Pläne insbesondere im landwirtschaftlichen Bereich. Es wurde aber auch das persönliche Engagement vieler Warchauer bei der Verschönerung des Dorfes gewürdigt. Ohne diesen Einsatz hätte sich in Warchau nicht viel verändert. Es ging den Menschen nicht allein um Planerfüllung und große Taten zu irgendwelchen staatlichen Höhepunkten, sondern vor allem um ein schönes, lebenswertes Dorf.

Das Jahr 1989 wurde auch für die Warchauer zu einem gravierenden Einschnitt in das bisherige Leben. Die “Wende” als örtlich sichtbares Ereignis vollzog sich zunächst hauptsächlich in größeren Orten. In Warchau geschah das stiller. Die Wahlen im März 1990 gaben ein deutliches Votum für eine politische und vor allem staatliche Wende. Die CDU erhielt 70 Stimmen, die SPD 29, die PDS 19 und die kleinen Parteien zwischen 2 und 7 Stimmen. Damit war klar: Vieles wird sich ändern!

Im Juni 1992 erfolgte die Verkabelung des Dorfes mit Elektroenergie und Telefon  (Ab 1993 für jeden Haushalt nutzbar.)

1993 wurde auf dem Gollwitzer Berg eine TV-Umformerstation errichtet.

Im November 1993 gründete sich der Feuerwehrverein der Gemeinde Warchau, der von nun an wesentlich das kulturelle Leben in Warchau prägen wird. (z.B. Parkfest)

1997 begann endlich und lang erhofft, der Bau einer zentralen Trinkwasserleitung. Am Jahresende waren alle Hausanschlüsse gelegt.

1998 begann sehr überraschend die Sanierung der Dorfkirche.

1999 wurden die ehemaligen Schulräume weiter zum Gemeindezentrum ausgebaut.

Im Jahr 2000 wurde ein Teil der Dorfstraße gepflastert. Eine Bürgerinitiative machte gegen den geplanten Bau von 2 Windkraftanlagen in einem geschützten Naturbereich mobil. Im Zuge der Gemeindestrukturreform schlossen sich Rogäsen,Viesen, Warchau und Zitz zur neuen Gemeinde Rosenau zusammen.

 

Fortsetzung folgt !

Quelle: „Mein Heimatdorf“, Beiträge zur Geschichte von Warchau und Gollwitz, von Hermann Schulze

 

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