Die Schulen

Schulen spielten in der Vergangenheit für die breite Masse des Volkes nicht die große Rolle, die sie ab dem 19. Jahrhundert einnehmen sollten. Die Kinder wohlhabender adliger Familien lernten  lesen, schreiben und rechnen. Auch die Kirchen lehrten ihren Mönchen und Nonnen diese Fertigkeiten. Später legten bürgerliche Stadtbewohner großen Wert auf eine gute Bildung für ihre Kinder, da davon oft der Erfolg in Handwerk, Handel und Geschäft abhing. Besonders auf dem Lande war Bildung nicht sehr wichtig, da viele Menschen als Bauern, Knechte und Mägde oder Landarbeiter tätig waren und ihr Wissen aus dieser Arbeit erwarben.

Erst nach der Reformation und insbesondere in der Zeit preußischer Reformen wurden Schulen eingerichtet bzw. die allgemeine Schulpflicht (1763 in Preußen) eingeführt.                          Unterrichtet wurden die Schüler zunächst häufig von ehemaligen Soldaten unterer Dienstgrade. Später übernahmen Handwerker diese Aufgabe wobei besonders die Schneidermeister hervortraten.

Lehrer war natürlich kein hauptamtlicher Beruf und ernährte seinen Mann nicht. Diese Tätigkeit wurde neben der eigentlichen Arbeit verrichtet und wurde schlecht entlohnt.

In handschriftlichen Aufzeichnungen aus dem Jahre 1698 wird für Gollwitz erwähnt, dass ein Küster seinen Lohn aus Warchau erhielt. Es kann angenommen werden, dass dieser auch gleichzeitig Lehrer war. Sein Lohn betrug 18 Taler in 4 Vierteln und er wurde mit Brot beliefert.

Der erste nachweisliche Schulbetrieb ist in Warchau im Jahr 1794 erfolgt. Aus alten Schulakten geht hervor, dass sich am 22.09.1794 ein Johann Friedrich Conradt (geb. 1773), der bei Matthiesen in Rogäsen das Schneiderhandwerk erlernte und bei seinem Bruder in Seehausen im Rechnen und Schreiben unterstützt wurde, als Schullehrer in Warchau beim Pfarrer und beim Patron von Schildt gemeldet hat. Der Pfarrer hat eine Probe im Singen und Ablesen gemacht und ihn im Rechnen und Schreiben geprüft. Festgestellt wurde auch, dass Conradt “die Glaubenswahrheiten unserer allerheiligsten Religion inne” hatte. Offensichtlich wurde diese Probe bestanden, denn das Einstellungsprotokoll ist von Friedrich Adolph von Schildt unterschrieben. Im Folgenden einige Anmerkungen zu den Einkünften des Lehrers in dieser Zeit. Dazu wurde konkrete Abmachungen getroffen, was sicher nötig war, um das karge Einkommen zu sichern.

Neben der Tätigkeit als Lehrer und Küster sind unter dem 22.10.1794 in diesen Schulakten noch das Aufziehen und Stellen der Kirchenuhr sowie das Schmieren der Glocken festgelegt worden. Die Eltern mussten Schulgeld in Höhe von 6 Silbergroschen zahlen,  wer Schreiben lernte sogar 9. Für jedes Kind war ein Fuder Schulholz fällig. Fanden Hochzeiten statt, war der Lehrer Hochzeitsbitter, wofür er Tuch, Brautsuppe, Brot und Bier erhielt. Bei Kindtaufen waren 3 Silbergroschen zu entrichten, bei einem Begräbnis mit Predigt 6. Solche Abkommen wurden vom Patron, vom Pfarrer und dem Dorfschulzen unterschrieben.

Für die Jahre 1817 bis 1820 liegen noch genauere Beschreibungen des Einkommens vor, die ein Anwachsen der Bedeutung des Lehrers erahnen lassen.

Dem Lehrer wurde interimistisch ein Bauernhaus mit Stube, Kammer, Küche und Keller zugewiesen. Ebenso ein Kuh- und Schweinestall mit einem Abschlag für Gänse.                                                        Er erhielt einen Morgen Acker, einen Morgen Wiese und einen Garten dicht neben dem Grundstück auf der Mittagsseite (Süden). Das Gehege ist von der Gemeinde, die Schule vom Lehrer in Ordnung zu halten. Herr von Britzke hatten seinen anteil ebenfalls beizutragen. Die Weiden im Garten gehörten dem Lehrer. Das Gras vom Friedhof musste mit dem Pfarrer geteilt werden. Der Lehrer hatte nur eine kostenlose Weideberechtigung für eine Kuh, für Schweine und Gänse hatte Herr von Britzke es verboten.                                                                                                                                     An Naturalien erhielt er  1/2 Klafter Knüppelholz und 3 Fuder Reiser, die er selbst auf- und abzuladen hatte,  von Herrn von Britzke. Ackermann Krause (großer Bauer) gab für jedes schulpflichtige Kind seiner Familie ein Fuder Reiser. Zu Michaelis erhielt der Lehrer an Getreide vom großen Rittergut 90 Metzen, vom kleinen Rittergut 48 Metzen, von den Hüfnern 178 Metzen und von den Kossathen 8 Metzen. Auch die Lieferung von Brot ist genau aufgelistet. Interessant ist die Tatsache, dass der Lehrer von allen Einnahmen die dem “Herrn Prediger” zustehen, den dritten Teil erhält.

Nun gab es aber scheinbar größere Probleme mit dem regelmäßigen Schulbesuch und vor allem mit den regelmäßigen Zahlungen an den Lehrer. Im Sommer nahm man es nicht so geanu, da man wusste, dass die Kinder auf dem Feld helfen oder das Vieh hüten mussten. Im winter aber sollte der ordnungsgemäße Schulbesuch insbesondere bei den Konfirmanden durchgesetzt werden.

Prediger Kothe berichtet um 1813 über die Zustände in der Schulen in Warchau und Gollwitz nach Magdeburg. Er schreibt: ”Die Schulstube ist in beiden Orten zugleich Wohnstube des Lehrers. So befindet sich dort die Wiege mit dem lärmenden Inhalt. Besondrs schlecht, wenn die Kinder des Lehrers krank sind. ... Die Schulvorsteher zu Warchau als zu Gollwitz haben bis jetzt viel Nachlässigkeit und Gleichgültigkeit bei der Verwaltung ihres Amtes zu Schulden kommen lassen.” Resignierend stellt er fest, dass auch Aufmunterungen und Drohungen seitens des Predigers keine Besserung bringen. Ursache dürfte die Tatsache gewesen sein, dass die Warchauer sich weigerten das geforderte Schulgeld zu zahlen. Dadurch kam es immer wieder zu Konflikten.

Warchau hatte um 1818  20 bis 24 Kinder. Die Schule war  ausgestattet mit 12 Stephanschen Lesebüchern und 16 Schiefertafeln. Die Unterrichtsinhalte waren Sprech- und Sprachübungen, Röhrs historische und geographische Beschreibung des jüdischen Landes zur Zeit Jesu und die Geschichte “Mein Vaterland unter den Hohenzollern”. Hilfe gab der Ortsprediger.                                                In dieser Zeit ist auch die Rede davon, eine neue Schule zu bauen.

Nach Überlieferun- gen soll dieses Haus die erste Schule im Ort gewesen sein. Es befand sich neben dem heutigen Friedhof und ist längst abgerissen.

In diesem Gebäude, das um 1820? errichtet wurde, befand sich danach die Schule.

Der Neubau der Schule wurde wohl auch erforderlich, weil Warchau um 1826 immerhin 21 Knaben und 24 Mädchen hatte, von denen 14 lesen, 21 rechnen und schreiben und 7 buchstabieren konnten. 3 erhielten eine Anleitung zur Buchstabenkenntnis . Natürlich war die Schule einklassig, d.h. alle Schüler wurden in einem Raum unterrichtet.

Der “Preußische Kinderfreund” war ein Lesebuch, dass um 1850 in den Schulen genutzt wurde. In dieser Zeit gab es nicht nur starke Bestrebungen nach einem deutschen Nationalstaat, sondern auch in den Schulen fanden Reformen statt. In Preußen setzte sich mehr und mehr die Trennung von Kirche und Schule durch. Der Staat übernahm die Kontrolle über das Schulwesen. Mit welcher Besorgnis die Kirche diese entwicklung sieht, geht aus einem Protokoll des Gemeindekirchenrates vom 08.01.1869 hervor.

“Gegenwärtig besteht allgemein die Gefahr für die christliche Schule. Das Recht der christlichen Kirche an der Schule darf nicht angetastet werden. Natürlich besteht ein Recht des Staates darauf den Unterricht zu überwachen. Sie dürfen aber den wichtigsten Gegenstand des Unterrichtes, die Religion,  nicht aus der Schule verbannen und so das Volk entheiligen. ... Dagegen müssen wir uns wehren, die Kinder dürfen nicht als Heiden heranwachsen.”

Der Streit zwischen Kirche und Staat um den Einfluss auf den Unterricht ist die eine Seite. Die Art und Weise der Erziehung in der Schule die andere. Aus dem Jahre 1881 ist der Antwortbrief der königlichen Regierung in Magdeburg an eine Warchauer Familie erhalten, der die Erziehungsmethoden klar wiedergibt. Die Regierung schreibt über den Pfarrer an die Familie:      

“Wir haben Ihren Antrag vom 28.08. das Verfahren des Lehrers Wolter bei Bestrafung Ihres Sohnes Carl am 26.08. untersucht, finden aber keine Veranlassung den Lehrer zu bestrafen.

1. Nicht nur Züchtigung, weil wegen kurzer Abwesenheit des Lehrers unrechte Störung verursacht wurde  und er vom Ordnungsschüler aufgeschrieben werden musste, sondern weil er wiederholt Obst aus dem herrschaftlichen Garten gestohlen, Unfug auf dem Kirchhofe verübt, Vorgabe eines Befehles seiner Mutter zum Stehlen und seinVergehen hartnäckig geleugnet hat.

2. Unwahr ist Ihre Angabe, dass der Knabe mit einem 1,5 Zoll starken Reisestock bestraft wurde, sondern mit einem Stöckchen von 6-7 mm Durchmesser.

3. Unwahr Ihre Angabe, dass der Sohn während der Züchtigung von zwei anderen Knaben festgehalten worden ist. Der Lehrer hat ihn selbst gehalten.  

4. Dass die Schläge auf das  Hinterteil gerichtet waren, auf die Außenseite der Lende gefallen sind, hat Ihr Sohn selbst verschuldet, weil er sich unbändig hin und her geworfen hat, statt die verdiente Züchtigung ruhig hin zu nehmen.”

Viel hat sich wohl nicht geändert in der Warchauer Schule, außer die Lehrer und teilweise die Inhalte des Unterrichtes. Erst 1928 wird wieder über die größer werdende Bedeutung der Bildung gesprochen. Man kommt überein, dass eine neue Schule gebaut werden soll. Die Regierung stellt insgesamt 22500,- RM zur Verfügung. Die Gemeinde nimmt in der Kreissparkasse Genthin eine Anleihe in Höhe von 10000,- RM auf. Das Hochbauamt Genthin fertigt die Bauzeichnungen. Mit Frau von Britzke werden Verhandlungen wegen der Überlassung des Baugrundstückes geführt. Es erfolgt eine öffentliche Ausschreibung der Arbeiten und diese werden wie folgt vergeben:

* Maurerarbeiten - Ferdinand Knoblauch, ZImmererarbeiten - Emil Kabelitz (Wusterwitz), Dachdecker - Bruno Hamann (Wusterwitz), Tischlerarbeiten - Hermann Heuke, Töpferarbeiten - Mangelsdorf (Ziesar), Malerarbeiten - Otto Krusche (Wusterwitz), Lichtanlage - Kurt Fobe (Wusterwitz), Schmiedearbeiten - Bremer (Wusterwitz), Klempnerarbeiten - Puder (Wusterwitz), Brunnenbau- und Wasserversorgung - Gorgas (Wusterwitz).

Die alte Schule wurde an den Pächter des Rittergutes Ph. Hellmann verkauft, der hier seine Kartoffelzucht -Firma unterbrachte.

Richtfest an der neuen Schule, die in einer ehema- ligen Sand- grube erbaut wurde.

Am 06.04.1932 wurde die neue Schule im Beisein hochrangiger Persönlich- keiten eingeweiht. Dazu wurde eine Kaffeetafel mit belegten Brötchen und eine viertel Tonne Bier aufgelegt. In den Jahren 1950-53 wurde ein Erweiterungsbau realisiert.

Bis 1970 wurde in zwei Klassenräumen  unterrichtet. In den Jahren davor wurden schrittweise die älteren Jahrgänge in die Polytechnische Oberschule Wusterwitz verlegt, so dass am Ende nur noch die Klassen   1 -4 in Warchau waren. Ab 1970 wurden dann alle Schüler mit dem Bus nach Wusterwitz transportiert und besuchten dort die Schule bis zur 10. Klasse. Danach erfolgte dann die Berufsausbildung oder der Wechsel an die EOS in Ziesar.

Folgende Lehrer waren in Warchau tätig:

Jahr

Lehrer

Jahr

Lehrer

1786

Lehrer Conrad

1917-1936

Lehrer, Kantor, Organist Otto Müller

1797

Der Sohn von Lehrer Conrad ist über 33 Jahre Lehrer in Warchau

1936

Lehrer Bruchmüller, später zum Krieg eingezogen, Vertretung aus Wusterwitz

1827-1869

Lehrer und Küster Karl wilhelm Friese

1945-1946

Lehrer Kienaß

1873

Andreas Berlin

1946-1951

Lehrer Specht

1876

Kantor Gebauer

bis 1949

Frl. Sacher

1880

Kantor Wolter

1950-1968

Frl. Grunz

1881

Lehrer Bade

1951-1955

Lehrerehepaar Nabel

1884

Lehrer Rudloff

1955-1970

Lehrer Heinz Thiele

ohne

Lehrer Müller

1961-1970

Lehrerin Liesbeth Thiele

ohne

Lehrer Euen

1968-1970

Lehrerin Kabelitz

1906-1915

Lehrer Bernhard Schulze

   

1917

Lehrer Meyer

   
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