Die Eisenbahn

Nachdem im Jahre 1847 die Reichsbahnstrecke Berlin - Magdeburg fertiggestellt worden war, erfolgte in den nächsten Jahrzehnten der Bau sogenannter Sekundärbahnen. 1898 begannen die Vorbereitungen für den Bau einer Bahnstrecke Wusterwitz - Warchau - Rogäsen - Bücknitz - Ziesar und weiter bis nach Görzke.

Zuerst mussten von der Kleinbahnaktiengesellschaft Genthin - Ziesar, zu der auch andere Sekundärbahnstrecken gehörten, geeignete Grundstücke erworben werden. In den Beschlussbüchern der Gemeinde Warchau ist aus dieser Zeit vermerkt, dass von der Kreissparkasse Genthin ein Kredit in Höhe von 7500 Mark aufgenommen wurde, der mit 4% verzinst wurde.

Für 6000 Mark wurden Aktien erworben und 1500 Mark waren für Entschädigungen vorgesehen, wobei je Morgen Land 600 Mark gezahlt wurden. Vier Warchauer erhielten Entschädigungen zwischen 87 und 762 Mark. Auch Frau von Britzke hat Grund und Boden abgegeben. Hier sind keine Entschädigungssummen bekannt. Des Weiteren hat sie für 10.000 Mark Aktien erworben, die schon ab 1910 Gewinne einbrachten.

Am 1. Oktober 1901 wurde die Bahnstrecke eröffnet. Obwohl immer als "Kleinbahn" bezeichnet, war sie mit einer Spurweite von 1435 mm eine ganz normale Bahnlinie.

Schon bald stellte sich heraus, dass sich der Bau der Bahn positiv auf das Leben der Bewohner und die wirtschaftliche Entwicklung auswirkte. Mit einem Fahrpreis von 8 Pfennigen je Kilometer in der 3. Klasse war eine Bahnfahrt für viele erschwinglich und man begann zu "reisen". Der Transport landwirtschaftlicher Produkte, insbesondere des Gutes, nahm rasch zu und führte zu höheren Einnahmen.

 

Kleinbahn südlich von Warchau

Der Bahnhof mit Gaststätte und Saal

 

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Kleinbahnaktiengesellschaft aufgelöst und die Strecke ist in den Besitz der Deutschen Reichsbahn übergegangen. Bis 1969 fuhr die Kleinbahn zuverlässig und ohne Probleme. Am 31.08.1970 führte dann allerdings die letzte Fahrt von Wusterwitz nach Ziesar. Die zwischenzeitlich auf Diesellokomotiven umgestellte Bahn war nun angeblich nicht mehr rentabel und wurde von einem Bus abgelöst. Die meisten Bewohner waren über diese Veränderung wenig erfreut, da sich die Verkehrsverbindungen verschlechterten. Von Jahr zu Jahr wurden Busse eingespart, so dass man heute ohne Pkw sehr eingeschränkt ist.

Die Gleisanlage, in den 60iger Jahren zwischen Warchau und Wusterwitz mit Betonschwellen erneuert, blieb zunächst erhalten. Sie wurde zum Abstellen ausrangierter Güterwaggons genutzt. Als im Jahre 1989 dringend Schrott benötigt wurde, demontierte man die Gleise von  Wusterwitz bis Rogäsen und die Strecke verfiel. Der Bahndamm und die Einschnitte in Höhenzüge sind noch heute erkennbar und streckenweise für rustikale Wanderungen geeignet. Leider ist es wohl auch in Zeiten des bewussten Umweltschutzes utopisch an eine Wiederaufnahme des Bahnverkehrs zwischen Wusterwitz und Ziesar zu denken.

Im Bahnhofsgebäude befanden sich neben dem Diestraum, in dem Fahrkarten verkauft wurden, noch eine Gaststätte und in der 1. Etage Wohnungen. Neben dem Klinkerbau waren ein Saal für größere Feierlichkeiten und ein Güterboden angebaut. Alle Stückgutsendungen und Eilgut wurden damals mit der Bahn transportiert.

Dem Bahnhof gegenüber befand sich eine Ladestraße für große Güter, Erntegut, Tiere u.ä. . Mittels einer großen Waage konnten ganze Wagenladungen vor dem Versand gewogen werden.  Diese Waage kaufte die Gemeinde 1950 für 1200 Mark vom Besitzer Erich Kaiser.

Doch schon in den 60iger und 70iger Jahren des 20. Jahrhunderts wurden landwirtschaftliche Produkte mehr und mehr mit Traktoren und LKW`s transportiert. Der Bahnhof als Güterumschlagplatz verlor zunehmend an Bedeutung.

Nach der Enstellung der Bahnstrecke 1970 wurde auch der Bahnhof überflüssig. Er wurde zu einem Wohngebäude umgebaut. Nichts erinnert mehr an den Backsteinbau, wie auf dem Bild dargestellt.

 

 

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