Der Park

Die Entstehung und Entwicklung des Warchauer Parkes muss in einem sehr engen Zusammenhang mit der Bedeutung des Schlosses und des Gutes gesehen werden. In Abhängigkeit von der finanziellen Situation, den familiären Beziehungen der Familien von Schildt und von Britzke und der Wirtschaftlichkeit des Gutes, das verpachtet worden war, konnten Schloss und Park ausgebaut und erweitert werden. Konkrete Unterlagen zur Anlage, Bepflanzung, Pflege und vor allem zum Alter fehlen auch hier.

Nach dem Baumbestand zu urteilen, müsste die Anlage bereits vor 1800 erfolgt sein. Demzufolge hat die Familie von Schildt die Grundlagen geschaffen, wobei vorhandene große Bäume einbezogen wurden. Durch die Familie von Britzke wurde der Park weiter ausgestaltet und der heute vorhandene Grundriss geschaffen.

Im Wesentlichen besteht der Park aus 3 Bereichen. Der Teich bildet, unmittelbar neben dem Schloss gelegen, ein idyllisches Ensemble mit zum Teil seltenen Bäumen, wie der Sumpfzypresse, die leider 1994 durch einen Blitzschlag und Sturmeinwirkung fast vollständig zerstört wurde. Des Weiteren bilden Trauerweide, Pyramideneiche, Blutbuche und Platane einen Blickfang. Über die Entstehung des Teiches ist ebenfalls nichts bekannt. Es wird vermutet, dass hier ein vorhandener Graben, der kontinuierlich Wasser führte, angestaut und so zur Gestaltung des Geländes rings um das Schloss genutzt wurde.

Östlich vom Teich, an der Straße nach Wusterwitz, liegt der untere Park. Hier fallen besonders ein Schwarznussbaum, eine Platane, eine imposante Blutbuche, große Linden und Eichen sowie Silberpappeln auf. Die große Rarität dürfte aber der aus dem östlichen Nordamerika stammende Tulpenbaum sein. Anfang Juni blühen, versteckt in der Baumkrone, tulpenförmige, blassgrüne, rotgelbe Blüten.

Im Frühling bildet der Bereich südlich des Teichgrabens eine große blühende Fläche mit Buschwindröschen, Annemonen und Veilchen. Hier schloss sich zu Zeiten der Familie von Britzke die Gärtnerei mit einem beheizbaren Gewächshaus an, das auf der Südseite eine hohe Wand hatte. Der dort angebaute Wein konnte gut gedeihen. Obst und Gemüse erntete man im sich anschließenden Garten.

An der Brücke vor dem Teich, neben einer Trauerweide stand ein Sonnenpavillon, daneben ein Stein in Tischform mit einer Sonnenuhr. Am östlichen Parkrand, in Richtung Wusterwitz, stehen 3 sehr alte Linden. Diese waren in früheren Zeiten ein beliebter Treffpunkt der Warchauer Pärchen, da sie von einer Bank umgeben waren. Gegenüber dem Haus am Ortseingang befand sich ein Eiskeller, in dem bis in den Sommer hinein Eis, das im Winter im eigens dafür angestauten Rohrteich geschnitten wurde, aufbewahrt werden konnte.

An der Südseite des Schlosses schließt sich der obere Park an, der auf Grund seiner Lage auf einem Hügel, diesen Namen trägt. Das Zentrum dieses Parkteiles bildet eine Lindenallee, die am Haupteingang des Schlosses beginnend, in gerader Linie den Park durchzieht. Einstmals standen am Anfang dieser Allee zwei steinerne Löwen, die leider auch nach 1945 spurlos verschwunden sind. Ganz in der Nähe, weiter südlich befindet sich eine Kastanienallee, die besonders zur Blütezeit beeindruckt. Im Gegensatz zum unteren Park, der mit einer ca. 1m hohen Mauer umgeben war, wurde der obere Teil von einer dichten Hecke begrenzt. Hinter diesem Parkabschnitt finden sich noch heute Überreste eines Schießstandes, der aus Feld- und Klinkersteinen gemauert und mit Türmchen geschmückt wurde. Daran schloss sich der Tannenweg mit Silber- und Blautannen, Douglasien und anderen Edeltannen an. Leider existiert er nicht mehr.

Zusammenfassend muss gesagt werden, dass insbesondere in den Jahren nach dem 2. Weltkrieg viele Bäume als Brenn- oder Baumaterial verwendet wurden, was zwar einerseits der wirtschaftlichen Situation geschuldet war, andererseits aber auch im engen Zusammenhang mit der Besatzungsmacht und den gesellschaftlichen Veränderungen zu sehen ist. So kam es, dass der Warchauer Park mehr und mehr verwilderte. Zwischenzeitlich gab es zwar vereinzelt Versuche die Parkanlage zu erhalten, da viele Menschen den Wert als Naherholungsgebiet oder Naturlehrpfad erkannten. Doch ohne staatliche Förderung waren diese Bemühungen zum Scheitern verurteilt.

Besonders in den letzten 10 Jahren zeichnete sich eine erfreuliche Tendenz zur Wiederherstellung und Pflege unseres Parkes ab. Grundlage war ein Beschluss der Gemeindevertreter vom 13.12.1990. Darin wurden u.a. der Park und der Teich als geschützte Landschaftsbestandteile ausgewiesen. In den Jahren 1994/95 wurde der gesamte Park durch Mitarbeiter der GABS Brandenburg vom Unterholz befreit, Wege wiederhergestellt und der Bereich des Teiches völlig rekonstruiert. Schwerpunkt war die Erneuerung des Überlaufes, denn der Teich drohte auszulaufen. Damit wäre der Lebensraum seltener und geschützter Fische, wie Bitterling und Moderlieschen zerstört worden. Es gilt nun, diesen Neuanfang weiterzuführen und der Gemeinde Warchau ein attraktives Stück Natur und Historie zu erhalten.

 

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